Unterwegs … in Patagonien

(Text und Fotos: Daniel Hüske)

Trekking im Nationalpark Los Glaciares

Imposante Granitmassive, ursprüngliche Seen, sturmgezeichnete Wälder, endlos weite Steppe und riesige Eisfelder: Wer in Patagonien wandert, erlebt eine der kontrastreichsten Landschaften Südamerikas. Besonders spannend für Trekkingtouren ist der patagonische Nationalpark Los Glaciares. Er liegt im Süden Argentiniens an der Grenze zum westlich gelegenen Nachbarland Chile entlang des Ausläufers der Anden und erhielt bereits 1937 als einer der ersten Vertreter des Landes seinen Schutzstatus. Benannt ist der Nationalpark nach der Vielzahl seiner Gletscher. Seit 1981 gehört das Gebiet zum UNESCO-Weltnaturerbe und aktuell ist es das größte Schutzgebiet Argentiniens.

Einzigartig für die Region ist das im Westen angrenzende Campo de Hielo Sur (Südpatagonisches Eisfeld oder auch Südliches Patagonisches Inlandeis genannt): ein riesiges kontinentales Gletschergebiet mit einer Fläche von etwa 12.500 km². Davon liegen 2.600 km² im argentinischen Nationalpark. Das Campo de Hielo Sur ist das größte zusammenhängende Eisfeld außerhalb der Polregionen. Zu ihm gehören 48 enorme Hauptgletscher wie z. B. Glaciar Viedma, Upsala und Perito Moreno.

Die meisten Besucher kommen in den Nationalpark, um von der nächstgelegenen Stadt El Calafate aus den berühmten Perito-Moreno-Gletscher im südlichen Teil des Parks zu besichtigen. Von seiner 5 km langen und 40 bis 70 m hohen Eisfront brechen regelmäßig große Blöcke ab und stürzen krachend in den Canal de los Témpanos, einen Nebenarm des riesigen türkisblauen Lago Argentino. Dieses Naturschauspiel sollte man nicht verpassen!

Die beeindruckende Eisfront des Perito-Moreno-Gletschers

Wer aktiver unterwegs sein möchte, dem sei die Reise ins 220 km entfernte Bergdorf El Chaltén in der nördlichen Zone des Nationalparks Los Glaciares empfohlen. Dort kann zu Fuß das einmalige Gebiet um die mächtigen Granittürme von Fitz Roy und Cerro Torre – die wohl bekanntesten Gipfel Patagoniens – erkundet werden. Von kurzen Etappen oder Tageswanderungen bis hin zu mehrtägigen Trekkingtouren könnt ihr beliebig kombinieren und variieren. Es hängt davon ab, wie viel Zeit zur Verfügung steht und wie viel persönliche Fitness und Trekkingerfahrung ihr mitbringt. Die Wanderwege verlaufen durch weite Täler und verwunschene Wälder, hin zu erstklassigen Aussichtspunkten mit Blick auf die beeindruckende Gipfelwelt, imposanten Gletschern und funkelnden Bergseen.

Rund um El Chaltén gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Wandern.

Die zwei zweifellos populärsten Tageswanderungen Senda Fitz Roy und Senda Laguna Torre starten beide in El Chaltén und führen zu traumhaften Lagunen am Fuße der berühmten Gipfel von Fitz Roy und Cerro Torre. Bei schönem Wetter erwartet euch ein Panorama der Extraklasse! Gute Fitness ist allerdings sehr empfehlenswert. Gerade der Weg zur Laguna de los Tres unterhalb des höchsten Berges Fitz Roy (3.405 m) hat es in sich: Über 20 km Distanz und fast 1.000 Höhenmeter Unterschied sind zu bewältigen. Am Moränenkamm der Laguna angelangt sind die Anstrengungen der letzten Kilometer jedoch schnell wieder vergessen, die Aussicht auf den König aller Berge der Umgebung ist im doppelten Sinne atemberaubend.

Traumhafter Sonnenaufgang an der Laguna Torre

Wer jetzt denkt, damit seien die Wandermöglichkeiten in der Gegend erschöpft, der täuscht. Zahlreiche weitere Ziele und Abstecher sind abseits der beiden Hauptpfade möglich. Entsprechend weniger Menschen sind auf den anderen Wegen anzutreffen. Beim Wandern im nahe gelegenen Reservat Los Huemules und am grenznahen Lago del Desierto habe ich nur selten weitere Wanderer angetroffen, meist war ich für mehrere Stunden inmitten der umwerfenden Landschaft Patagoniens alleine.

Einmaliges Bergpanorama am Lago del Desierto

Apropos umwerfend: Stellt euch auf Wind ein, der vor allem in den Sommermonaten fast ununterbrochen in Sturmstärke weht und nicht selten orkanartige Windgeschwindigkeiten über 100 km/h erreicht. Dadurch bedingt ist hier das launische Temperament des Wetters charakteristisch: Es kann in Patagonien zu jeder Tageszeit regnen, schneien oder stürmen, aber auch strahlenden Sonnenschein mit klarer Sicht geben. Oft liegen dazwischen nur ein paar Stunden bzw. wenige Kilometer Entfernung.

Mit Schneefall muss in den patagonischen Bergen selbst im Sommer gerechnet werden …

Wer einmal die mächtigen Granitwände des Fitz Roy und die eisgepanzerte Felsnadel des legendären Cerro Torre gesehen hat, wird die ungeheure Faszination der traumhaften Szenerie verstehen. Wild und dramatisch aus der Pampa in den Himmel ragend, besitzt die prächtige Bergkulisse eine  unglaubliche Anziehungskraft. Nur wenige Gebiete auf der Erde bieten so viel kontrastreiche Dramatik wie die atemberaubende Gebirgswelt rund um die „Trekkinghauptstadt“ El Chaltén. Der Weg bis ans „Ende der Welt“ ist weit, doch die Reise lohnt sich!

Ein unvergesslicher Anblick: der majestätische Cerro Fitz Roy

Buchtipp zum Wandern in Patagonien / Nationalpark Los Glaciares

Daniel Hüske und Sylvia Seligmann stellen in ihrem Buch „Patagonien: Fitz Roy & Cerro Torre” die zahlreichen Wandermöglichkeiten im Gebiet von Fitz Roy und Cerro Torre vor. Darüber hinaus informieren sie über die beiden Ortschaften El Calafate und El Chaltén, beschreiben weitere Aktivitäten in der Umgebung und geben wichtige allgemeine Reisetipps. Für die intensive Recherche war Daniel Hüske insgesamt 5 Monate vor Ort.

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