Unterwegs … in der Wüste Negev (Israel)

(Fotos: Thorsten Hoyer/Torben Andresen)

Drei Tage nonstop durch die Wüste wandern – auf so eine Idee kann eigentlich nur unser Autor und Extremwanderer Thorsten Hoyer kommen … Gemeinsam mit Torben Andresen, dem Macher des Wandervideoblogs, wollte er 220 km auf dem Israel National Trail durch die Steinwüste Negev wandern. Im Gepäck: 44 l Wasser und Torbens Kamera, mit der die beiden alle schönen und auch die weniger schönen Momente der Wanderung festgehalten haben. Aus diesem Material ist der sehenswerte Kurzfilm „Negev – Unterwegs wie Wasser und Wüste“ entstanden, den ihr euch hier anschauen könnt. Wir haben Thorsten mal ein paar Fragen zur Wanderung und zum Film gestellt.

220 km nonstop zu wandern ist für viele ja schon an sich eine ziemlich verrückte Idee. Ihr habt euch dafür dann auch noch eine Wüste ausgesucht. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen und was hat euch daran gereizt, nonstop durch die Negev zu wandern?

Bei meinen schlaflosen Wanderungen reizt es mich immer wieder, auch in anderen Landschaften unterwegs zu sein. So habe ich das isländische Hochland durch- und auf dem E5 die Alpen überquert. Irgendwann beschäftigte mich die Frage, ob so etwas auch in einer Wüste funktionieren kann. Ich fing an zu recherchieren und glaubte, mit der Negev-Wüste ein machbares Ziel gefunden zu haben. Die Bilder, die ich von dieser Landschaft sah, waren betörend schön, sie ließen mich einfach nicht mehr los.

Mal abgesehen von der Streckenlänge und dem fehlenden Schlaf: Was war die größte Herausforderung bei dieser Wanderung?

Das war ganz klar die Frage: Wie viel Wasser werden wir brauchen und wie stellen wir die Versorgung damit sicher? Wasserdepots anzulegen erschien uns zu unsicher, die Versorgung von außen als zu aufwendig. Blieb also nur übrig, das lebensnotwendige Wasser mitzunehmen. Daraus resultierte die Frage wie. Wir experimentierten herum und kamen schlussendlich zu dem Ergebnis, dass wir das Wasser in mehreren auf einer Lastenkraxe festgezurrten Kanistern auf dem Rücken tragen müssen.

Die erste Idee entstand im Sommer 2013, am 8. November 2015 seid ihr losgewandert. Wie habt ihr euch in der Zwischenzeit auf die Tour vorbereitet?

Wir haben alles Mögliche an Informationen zusammengetragen, haben gelesen, Karten studiert, GPS-Daten überprüft. Vor allem aber haben wir unsere gefüllten Wasserkanister durch die Gegend geschleppt, um uns an das Gewicht zu gewöhnen und um jede mögliche Fehlerquelle im Vorfeld zu entdecken und weiter zu optimieren. Wir haben auf unseren Touren ziemlich viel Aufmerksamkeit erregt. Kein Wunder, sahen wir doch ein bisschen aus wie diese Ghostbusters aus dem Film aus den 1980er-Jahren.

Die Ghostbusters Torben und Thorsten bei einer Trainingswanderung

Im Film ist zu sehen, wie ihr schon kurz nach dem Start auf eine erste unerwartete Herausforderung stoßt. In welchem Moment tauchte zum ersten Mal die Frage „Was haben wir uns bloß dabei gedacht …?“ in euren Gedanken auf?

Das war bei uns sicher unterschiedlich. Ich habe mir die Frage nie gestellt, denn nach langer, intensiver Vorbereitung bin ich bei der Umsetzung immer völlig bei der Sache. Bei Torben sah es anders aus, er bekam gesundheitliche Probleme und war dadurch gedanklich oft bei seiner Familie.  

Von früheren Nonstop-Touren kennt ihr es beide schon, nachts zu wandern, und obwohl es eigentlich gar nicht erlaubt war, seid ihr natürlich auch in der Negev im Dunkeln weitergelaufen. Wie war es nachts in der Wüste?

Für mich war es eine absolut unvergessliche Erfahrung, ganz im positiven Sinn. Es ist erstaunlich, wie sich der Lichtstrahl selbst von leistungsstarken Stirnlampen in der Weite der Wüste verliert. Beeindruckend war auch die völlige Stille. Ich kann es wohl am besten mit dem Wort „einsam“ zusammenfassen.

 Allein in der Dunkelheit

Bei vielen deiner bisherigen Wanderungen warst du zu großen Teilen allein unterwegs – wie war es für dich, jetzt mal in Gesellschaft so eine Tour zu machen?

Das ist schon etwas völlig anderes. Es ist wirklich toll, solche einzigartigen Erlebnisse mit einem Freund teilen zu dürfen. Aber es bedarf natürlich auch Absprachen vorher, sollte etwas nicht nach Plan verlaufen. Und tritt das dann ein, zeigt es sich sehr schnell, was Verantwortung für sich selbst, vor allem aber Verantwortung für den Partner bedeutet.  

Die geplanten 220 km habt ihr nicht geschafft: Nach 52 km musstet ihr eure Tour abbrechen, weil Torben mit einer beginnenden Lungenentzündung zu kämpfen hatte. An welchem Punkt war für euch klar, dass ihr die Wanderung frühzeitig beenden müsst – und wie groß war die Enttäuschung?

Wir stiegen einen langen Berghang hinauf, dessen Plateau wir gegen 3:00 Uhr nachts erreichten und von dem wir auf die Lichter von Aqabas in Jordanien schauten. Hier wurde klar, dass das geplante Ziel nicht mehr zu erreichen war. In diesem Augenblick gab es aber kein Gefühl der Enttäuschung. Das neue Ziel hieß Timna Park, der nächste Ausstiegsort – nur 25 km entfernt, die aber plötzlich in bedrohliche Ferne rückten.

 Lichter in der Ferne

Aus eurer Wanderung ist ein toller Film entstanden, Ende letzten Jahres hat er in Potsdam Premiere gefeiert. Wenn ihr jetzt die Bilder noch einmal seht und euch zurückerinnert: Was hat euch bei der Wanderung am meisten beeindruckt?

Das ist für uns beide eindeutig: die richtige Entscheidung getroffen zu haben – gemeinsam und ohne viele Worte. So wurde die Tour letztlich doch ein Erfolg. Anders eben.

Und welche ist eure Lieblingsszene im Film?

Es ist schwierig, da eine bestimmte Szene zu benennen, jede einzelne ist für uns auch heute noch von ungemeiner Präsenz.

Nach der Wanderung ist vor der Wanderung – wollt ihr es noch mal versuchen? Oder habt ihr schon ein neues Projekt?

Einen zweiten Versuch in der Form wird es nicht geben. Aber ich habe Israel als wanderbares Land kennengelernt. Ein Jahr darauf war ich mehrere Tage auf dem Jesus Trail unterwegs und ich plane eine weitere Israel-Reise. Dann werde ich den Golan Trail unter die Sohlen nehmen.   

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für euren Film!

Herzlichen Dank für Deine Zeit!

Über die Wanderer und den Film

Thorsten Hoyer ist als passionierter Weitwanderer, Autor und Reisejournalist weltweit zu Fuß unterwegs. Unter anderem hat er auch schon für uns ein paar Bücher geschrieben. Wie er zum Extremwandern kam, hat er uns hier verraten.

Torben Andresen ist hauptberuflich Vater und Sprachtherapeut. Die Medien haben den ehemaligen Mediengestalter allerdings nie wirklich losgelassen und so produziert er seit 4 Jahren in seiner Freizeit Outdoor-Clips rund um das Thema Wandern für seinen YouTube-Kanal „Wandervideoblog“.

Der Film zur Wanderung: Ob Thorsten überlegt hat, alleine weiterzugehen, was die beiden nach dem Abbruch der Wanderung gemacht haben und wer sich über das nicht mehr benötigte Wasser freuen durfte: Das alles könnt ihr in Torbens und Thorstens Film „Negev – Unterwegs wie Wasser und Wüste” sehen – es lohnt sich!

 

Veranstaltungstipp

Am 5. Mai 2018 könnt ihr Thorsten beim Outdoor Tentival von McTrek im Strandbad Spessartblick (Großkrotzenburg) live erleben: Um 17 Uhr berichtet er, was es bedeutet, Grenzen zu erwandern, im Anschluss wird um 18 Uhr der Film über die Wanderung in der Negev-Wüste gezeigt.

Alle Informationen zu Tickets und zum Programm findet ihr unter https://www.mctrek.de/outdoor-tentival

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