Unterwegs … im Müllerthal

(Fotos: Kathrin Pieper, Astrid Holler, Thorsten Hoyer und Ulrike Hufnagl)

Der Herbst steht vor der Tür. Für viele ist diese Jahreszeit die schönste Zeit zum Wandern. Wir nutzen die Gelegenheit, um euch das Müllerthal in Luxemburg vorzustellen, ein Kleinod zum Wandern direkt vor der Haustür (zumindest für uns hier in NRW …). Anstatt selbst hinzufahren, haben wir uns mal umgehört und Menschen gefragt, die schon dort gewesen sind:  Astrid Holler, die Autorin unseres Wanderführers „Luxemburg – 25 Wanderungen“, Martin Hausmann, den wir von diversen Touristikmessen kennen und der uns für seine grandiosen Gemse-Wanderstöcke der Lebenshilfe Detmold begeistert hat, und Kathrin Pieper, die an unserem Fotowettbewerb mit einem Bild aus dem Müllerthal teilgenommen hat.

Wann wart ihr zum ersten Mal in Luxemburg bzw. im Müllerthal und wie kam es dazu?

Martin: Eigentlich wussten wir gar nicht, wo Luxemburg liegt, wir wurden durch Best of Wandern darauf aufmerksam und planten mal einen Kurzurlaub. Wir fuhren mit dem Auto ca. viereinhalb Stunden und haben in Consdorf auf dem Campingplatz ein Mobilheim für uns und unsere vier Kinder (13, 11, 9 und 4 Jahre) gebucht.

Astrid: Die Region Müllerthal spielt für die Entstehung meines Buches eine ganz entscheidende Rolle. Meinen ersten Berührungspunkt mit Luxemburg hatte ich beim Klettern. Ich war viel in den Bergen unterwegs, habe mit meinem Mann Kletter- und Bergtouren in den Alpen, in Frankreich und auch in Süditalien unternommen. Oft waren wir auch in deutschen Klettergebieten – und eben gerne und immer wieder in Berdorf in der Region Müllerthal.
Mir hat es dort immer so gut gefallen, dass ich mich bald heimisch gefühlt habe. Weil die Landschaft einfach zauberhaft ist, haben wir uns vieles erwandert, sind in „D‘ Stadt“, also nach Luxemburg, gefahren und haben auch die anderen Landesteile erkundet. Das waren jedes Mal wunderbare Erfahrungen. So entstand dann der Wunsch, ein Buch über Luxemburg zu schreiben. Auch dabei habe ich viele neue Ecken kennengelernt und kann kaum sagen, wo in Luxemburg es mir am besten gefällt.

Kathrin: Im Mai 2017 war ich zum ersten Mal im Müllerthal. Wir hatten vom Mühlenfest an der Heringer Millen und der tollen Umgebung gehört und sind mit der ganzen Familie, also drei Kindern, Eltern und einem Hund, ein langes Wochenende dorthin gefahren. So konnten wir wandern, zelten und das Mühlenfest miteinander verbinden.

Was macht den Reiz des Müllerthals aus?

Kathrin: Der Reiz des Müllerthals lag für uns darin, dass wir von einem Ort aus so viele Möglichkeiten hatten, etwas gemeinsam zu unternehmen. Der Campingplatz war familienfreundlich und wir konnten direkt von dort aus zu vielen verschiedenen Wanderrouten aufbrechen. Für die Kinder war es spannend, weil Höhlen, Felsen und auch viel Wasser in direkter Nähe lagen und erkundet werden konnten. Und auch mit dem Kleinsten in der Kraxe waren alle Wege gut begehbar. Unser Hund hat das Laufen in der Natur besonders genossen und war auch auf dem Campingplatz willkommen. Das Mühlenfest rundete unser gemeinsames Wochenende dann ab, auch dort gab es für alle Familienmitglieder etwas zu erleben.

Astrid: Was ich jetzt über die Region Müllerthal sage, gilt genauso für alle anderen Regionen, die ich kennengelernt habe: Im Müllerthal kann ich – auch nach Jahren – immer wieder neue Wandertouren ausprobieren. Es gibt kaum eine Gegend in Europa, die sich Wanderern so gut erschlossen hat, wie es hier der Fall ist.
Meiner Erfahrung ist die folgende: Ich finde einen Wanderweg vor, der in gutem Zustand ist. Ich kann also sicher sein, nicht plötzlich vor unüberwindbaren Hindernissen zu landen oder mich durch tiefes Gestrüpp kämpfen zu müssen. Meist sind die Wege so angelegt, dass sie einen Sinn ergeben, also durch schöne Landschaft und Natur führen, vorbei an interessanten Orten und zu touristischen Zielen, die es wert sind, gesehen zu werden.
Dabei ist die schiere Anzahl an Wegen kaum zu fassen! Ich habe Pfähle mit Wandermarkierungen fotografiert, auf denen 50 und mehr Schilder befestigt waren. Und – unglaublich, aber wahr: Jeder Weg, den ich versucht habe, war durchweg zuverlässig markiert. Was mir auch sehr gut gefällt, sind die vielen thematischen Wanderungen, die ich in der Region machen konnte.
Kurz: Ich spüre immer wieder, wie wichtig es die Leute vor Ort nehmen und wie viel Mühe sie sich geben, Wanderer in ihrem schönen Ländchen willkommen zu heißen.

Martin: Das Müllerthal ist besonders für Kinder ein richtiges Abenteuer. Wir mussten sie nicht mal zum Wandern motivieren.  Unsere Kleine musste ich zwischendurch mal tragen, aber hinter der nächsten Kurve rannte sie schon wieder los.

Gibt es ein persönliches Highlight?

Martin: Großartig war der Weg an sich, die gigantischen Felsen und natürlich die großen Felsspalten und die beiden Höhlen, wo wir Taschenlampen brauchten. An der Heringer Millen konnten wir uns mit Eis und kühlen Getränken stärken. Dort im Testcenter wurden wir sehr gut über die Regionen beraten und ein sehr netter Herr, sie nannten ihn Robbi …, sagte, wer einmal im Müllerthal war, kommt wieder.
Er hatte recht, in diesem Jahr sind wir wieder dort gewesen und fürs nächste haben unsere Kinder schon entschieden.

Astrid: Wer nach Luxemburg reist, kann sich auf eine gute, bodenständige und zugleich raffiniert feine Küche freuen. Ganz deutlich merkt man den französischen Einfluss. Doch ist die Luxemburger Küche, wie ich sie kennengelernt habe, sehr eigenständig.
Es gibt eine Reihe regionaler Produkte, die typisch sind: Das ist im Norden der Ardenner Schinken, das sind die guten Käsesorten – z. B. der Berdorfer Käse, ein herrlich würziger Käse, oder auch der Luxemburger Kochkäse, den ich auf Tart probieren durfte – ein Gedicht! Dann gibt es noch viele kleine Brennereien, die Obstbrände und Likör herstellen. Auch sehr zu empfehlen sind Weinsülzen und Crémant, die es in der Region Mosel gibt.
Oh, ich fürchte, ich könnte immer so weitermachen. Zwei Tipps noch: Die Madeleines von Léa Linster in Luxemburg Stadt und die Chocolat Chaud im „Au Chocolat“ in Klerf lasse ich mir nie entgehen, wenn ich dort bin.
In der Region Müllerthal ist meine erste Empfehlung: die Wanderwege. Hier bin ich dicht in der Natur, sehe, rieche, höre die Vielfalt. Es gibt an jeder Ecke Neues zu entdecken – auch, dass es noch Gebiete mitten in Europa gibt, die sich ihren natürlichen Reichtum bewahren konnten. Das gilt für die Region Müllerthal. Auf den Wegen komme ich auch immer wieder zu kulturell interessanten Plätzen. Und – mir am wichtigsten – ich komme in Kontakt mit den Menschen hier. So mache ich nicht nur Urlaub, sondern bin auf Reisen.

Kathrin: Bei einer unserer Wanderungen machten wir Mittagspause an der Sonnenuhr, die auf einem Felsen mitten im Wald liegt. Wir kochten uns Ravioli auf dem Campingkocher und alle genossen das Mittagessen im Schatten der Bäume. Auf dem Rückweg tauchte dann eine Kalktuffquelle vor uns auf und eins der Kinder sprang direkt in das eiskalte Wasser. Alle waren begeistert von der Wanderung!

Infos zum Wandern im Müllerthal

Falls ihr jetzt auch mal zum Wandern ins Müllerthal fahren wollt: Unsere Autoren haben schon einige Routen für euch gestestet.

Weitere hilfreiche Infos findet ihr außerdem auf der Website des Tourismusverbands Region Müllerthal – Kleine Luxemburger Schweiz.

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