Unterwegs … auf dem Zagoria-Trek

(Text und Fotos: Diana und Lars Steinhagen)

Im Vikos-Aoos-Nationalpark versteckt sich ein Griechenland, das kaum jemand kennt: Hier gibt es nicht die bekannten blau-weiß bemalten Häuser, Sandstrände und uralten Tempel, sondern schroffe Bergmassive, kilometerlange Steintreppen aus vergangener Zeit und wild lebende Pferde.  Das am besten gehütete Geheimnis der Region ist aber wohl die tiefste Schlucht der Welt – die Vikos-Schlucht!

Am Aussichtspunkt Beloi habt ihr den schönsten Blick in die beeindruckende Vikos-Schlucht

Zu finden ist der Vikos-Aoos-Nationalpark im Nordwesten Griechenlands in der Nähe der albanischen Grenze. Der Nationalpark beherbergt eine atemberaubende Natur und den Zagoria-Trek. Der Rundwanderweg bietet euch die Möglichkeit, in bis zu acht Etappen einen Eindruck von dem Leben in der Abgeschiedenheit des Gebirges zu bekommen. Die Länge der Wanderungen variiert zwischen 8 und 16 km und auch einige Höhenmeter sind auf dem Weg zu bewältigen.

Die Dörfer der dünn besiedelten Region wurden durch Eselspfade und Steintreppen verbunden, die zum Teil bis in die 1970er-Jahre die einzige Verbindung bildeten und nun abseits der Autostraßen erwandert werden wollen. Die Treppen von Vradeto sind eine der vielen Besonderheiten des Nationalparks. Die Steine wurden mit ihrer langen Seite in den Boden gestampft, damit sie Mensch und Pferd den bestmöglichen Halt bieten. Wer diese Treppen einmal erklommen hat, weiß, warum es heißt, dass ein Esel Architekt dieses Bauwerks gewesen sein muss. Die sich immer weiter den Berg hinaufschlängelnden Treppen kosten Kraft, aber sie sind jede Mühe wert.

Der anstrengende Aufstieg über die Treppen von Vradeto

Weitere Highlights des Zagoria-Treks sind die zahlreichen wunderschönen Rundbogenbrücken. Besonders viele von ihnen findet ihr rund um die Stadt Kipi. Hier steht auch die bekannteste mit ihren drei Bögen: Die Kalogeriko-Brücke (auch Plakidas-Brücke genannt) wurde 1814 zunächst als Holzbrücke gebaut und dann durch eine Steinkonstruktion ersetzt. 1865 wurde sie durch die Gebrüder Plakidas restauriert und erhielt so den zweiten Namen. Ihr könnt die Brücke nicht verfehlen, der Zagoria-Trek führt direkt darüber.

Auf dem Zagoria-Trek über die Kalogeriko-Brücke

Für Abenteuerlustige bietet der Zagoria-Trek auch eine Übernachtung in der einfachen und gemütlichen Astraka-Hütte auf 1.950 m.  In der Nähe der Hütte halten sich regelmäßig wild lebende Pferde und Kühe auf. Die Tiere wurden von Bauern freigelassen, als das Leben in den Bergen für sie zu hart wurde und sie in die Stadt gingen, um eine neue Arbeit zu finden.

Eine Extratour führt von der Astraka-Hütte zum Drachensee – hier leben kleine „Drachen“, alpine Molche. Bei Sonnenschein könnt ihr die schönen Reflexionen auf der Wasseroberfläche sehen. Auffällig sind hier auch die um den See herumliegenden Steine. Der Legende nach lebten in den Drachenseen auf dem Bergmassiv Tymfi und dem Bergmassiv Smolika zwei Drachen, die sich nicht besonders leiden konnten. Die logische Konsequenz ihrer Abneigung: Die Drachen bewarfen sich mit großen Steinen. Dies soll nach Meinung der Einheimischen erklären, warum im schwarzen Gebirge des Tymfi weiße Steine und im weißen Gebirge des Smolika schwarze Steine liegen. Geologisch wurde nachgewiesen, dass es sich bei den Seen jeweils um Rückstände eines Gletschers der Eiszeit handelt.

Auf den Wiesen grasen gerne wild lebende Pferde und Kühe

Nicht minder beeindruckend ist der Weg durch die tiefste Schlucht der Welt, die ihr auf dem Zagoria-Trek durchwandert. Die Wände der Schlucht stehen sehr dicht beieinander und die Sonne wirft je nach Tageszeit hübsche Schatten. Dazu bieten mannshohe Steine und umgestürzte Bäume einen besonderen Kletterspaß. Die Vikos-Schlucht ist übrigens aufgrund ihrer Relation von Breite zu Tiefe tiefer als der viel bekanntere Grand Canyon und erhielt daher 1997 einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde.

In der Schlucht ist ab und zu sportlicher Einsatz gefragt

Damit Wanderer in die Region kommen und einen Blick in die tiefste Schlucht der Welt werfen, haben sich die Orte in der Bergregion herausgeputzt. Die kleinen Bergdörfer auf dem Weg bestehen meist aus einer Handvoll liebevoll gepflegter Steinhäuser, die sowohl Unterkünfte als auch Restaurants beherbergen. Die herzlichen Gastgeber versorgen die Wanderer mit großartigen vegetarischen und nicht vegetarischen Leckereien und entsprechen damit dann doch wieder dem Griechenland, das ihr vermutlich kennt. Im Frühjahr und Herbst werden die Restaurants durch offene Kamine geheizt, die dazu auch noch eine ganz wundervolle Stimmung verbreiten.

Also nichts wie los, die tiefste Schlucht hinter den Bergen wartet auf euch!

Abendessen neben dem offenen Kamin – gemütlich!

Buchtipp zum Wandern auf dem Zagoria-Trek

Eine ausführliche Wegbeschreibung für den Weg mit Karten, Höhenprofilen, GPS-Tracks, Infos zu Unterkünften, Hinweisen zu Besonderheiten am Wegesrand u. v. m. liefert unser Wanderführer „Griechenland: Zagoria-Trek“ von Diana und Lars Steinhagen.

Besonderes Extra: Neben dem Zagoria-Trek wird auch die Besteigung des Olymps beschrieben!

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