Unterwegs … auf dem Dingle Way

(Text und Fotos: Diana Steinhagen)

Wandern auf der Grünen Insel

Steile, meerumspülte Klippen, Burgen aus einer vergangenen Zeit, grüne Felder und Schafe, so weit das Auge reicht. Dazu noch kilometerlange Sandstrände und unglaublich freundliche B&B-Besitzer. Der Dingle Way verspricht eine abwechslungsreiche Wanderung direkt an der Westküste Irlands entlang.

Die Rundwanderung startet und endet in Tralee, einer kleinen Stadt mit rund 24.000 Einwohnern. Von hier aus führt der Weg über die Dingle-Halbinsel. Sie ist nach der schönen Stadt Dingle mit ihren bunten Fischerboten, dem berühmten Delfin Fungie und der quirligen Pubkultur benannt. Die meisten Bustouristen sehen nur diese Stadt und genießen das tolle Eis bei Murphy´s Ice Cream. Der Wanderer sieht noch viel mehr.

Der bunte Fischerhafen von Dingle

Wer etwas Zeit mitbringt, der kann den gesamten Dingle Way (rund 190 km) laufen. Jede der sieben bis acht Etappen ist anders und am Ende wartet ein neues liebevolles B&B auf die erschöpften Wanderer. Die Strecken sind gut zu bewältigen, da Irland das Land der grünen Hügel und nicht der gewaltigen Berge ist. Einzelne Tageswanderungen bieten sich ebenfalls an. Zwischen den kleinen Orten der Insel verkehren Busse und wenn die drei Busse, die gefühlt pro Tag fahren, schon weg sind, übernehmen gerne die freundlichen Einwohner. Es kennt sowieso jeder jeden auf der Halbinsel. Im Zweifel gehört die nächste Unterkunft der Cousine oder der besten Freundin. Wer also gerne nur mit Tagesrucksack wandert, der lässt zwischen den Familien und Freunden einfach einen Gepäcktransport organisieren.

Zimmer mit Meerblick

Die schönste und zugleich herausforderndste Tageswanderung des Dingle Way ist der Weg über den Sattel des Mount Brandon. Hier führt der Weg von der Höhe des Meeresspiegels auf fast 900 Höhenmeter hinauf. Es geht über mehrere Schafweiden immer weiter bergauf. Ein paar kleine Bäche lassen sich mit einem beherzten Sprung meistern. Der Ausblick wird immer schöner und der zurückgelegte Weg wird sichtbar. Die vom Meer geformte Küste sieht beeindruckend aus. Ein bisschen Glück gehört bei der schönen Aussicht jedoch auch dazu. Irland ist dafür bekannt, dass sich Sonne, Wolken und Regen schnell abwechseln, unabhängig von der Jahreszeit.

Aufstieg auf den Mount Brandon

Ist der Mount Brandon bezwungen, geht es ins Pub nach Cloghane. Hier gibt es nur wenige Unterkünfte und so treffen sich die meisten Wanderer im O´Connors, einem bunt bemalten Gästehaus, das leckeres Abendessen, gemütliche Stunden beim Guinness und behagliche Zimmer anbietet. Als wir im März auf dem Dingle Way gewandert sind, haben wir vielleicht zwei andere Wanderer gesehen. Im Mai waren es immerhin sechs. Ein Wiedersehen im Pub macht Spaß und bessert die Englischkenntnisse auf. Dazu gibt es lustige Geschichten vom Wirt über Flugzeuge, die bei Nebel mit dem Mount Brandon kollidierten und um deren Piloten sich dann das ganze Dorf kümmerte. Die Piloten sollen schließlich sogar aufgrund der Gastfreundschaft in der Region geblieben sein.

Schafe sieht man beim Wandern in Irland jeden Tag

Nach der anstrengenden, aber lohnenden Überquerung des Mount Brandon folgt eine entspannte Etappe, die fast die ganze Zeit am Strand entlangführt. Er ist mit 12 km einer der längsten des Landes. Wer hätte gedacht, dass Irland so lange Sandstrände besitzt? Der Strand ist fast menschenleer. Ein paar Angler versuchen ihr Glück und kleine Surfschüler machen ihre Übungen im Wasser. Direkt am Strand gibt es keine Häuser, nur Muscheln, Priele und Dünen. Scheint die Sonne, so laden die Dünen zu einer ausgedehnten Pause ein. Nur nicht einschlafen und die Sonnenmilch vergessen …

Endloser Strand vor Castlegregory

Der Dingle Way bietet Ruhe und Einsamkeit, da er wenig bekannt ist. Dazu kommt die Besonderheit, in der einen Minute noch keuchend auf dem Berggipfel zu stehen und in der nächsten wieder gemütlich am Atlantik entlangzuspazieren. Es ist eine der schönsten Arten, Irlands Natur, Geschichte und Gastfreundschaft kennenzulernen, und nur einen Katzensprung von Deutschland entfernt. Auf geht´s, der Weg ist das Ziel!

Aufbruch von Dunquin, im Hintergrund die Blasket Islands

Buchtipp zum Wandern auf dem Dingle Way

Eine ausführliche Wegbeschreibung für den Weg mit Karten, Höhenprofilen, GPS-Tracks, Infos zu Unterkünften, Hinweisen zu Besonderheiten am Wegesrand u. v. m. liefert unser Wanderführer „Irland: Dingle Way“ von Diana Steinhagen.

Hier geht's zum Buch!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.