Unterwegs … als Wegbereiter

„Nur“ selbst pilgern war für unseren Autor Wolfgang Scholz nicht genug: Seit seiner ersten Wanderung auf dem Jakobsweg beschäftigt er sich in Büchern und auf seiner Internetseite mit Jakobswegen in Deutschland und berichtet von seinen Erlebnissen beim Pilgern. Außerdem ist er Mitinitiator des Projektes „Linksrheinischer Jakobsweg“. Zusammen mit Freunden hat er den Weg geplant und markiert – und für uns ein Buch darüber geschrieben.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen neuen Jakobsweg zu markieren?

Da muss man zunächst einmal weit ausholen in das Jahr 1987. Damals gab es die Initiative des Europarates, die Wege der Jakobspilger wiederzubeleben,  als neues Symbol für kulturelle Identität und europäische Integration. Ein Ziel war dabei, dass der spirituelle Charakter der Wege nicht vernachlässigt und sie nicht durch den Tourismus vereinnahmt werden sollten. Ein Jahr später fanden sich Europarat und Jakobusgesellschaften zusammen, um verbindliche Kriterien festzulegen. So sollten Routen nur wiederbelebt werden, wenn die historischen Wege zuvor wissenschaftlich identifiziert werden konnten. Als einheitliches Zeichen legte man die gelbe Jakobsmuschel auf blauem Grund fest.

Erst im März 2009 beschloss dann die St. Jakobusgesellschaft Rheinland-Pfalz-Saarland, eine Arbeitsgruppe einzurichten, um den historischen Jakobsweg von Köln nach Bingen wiederzubeleben. Auch wenn der Linksrheinische Jakobsweg eher nach Südosten ausgerichtet ist und nicht unmittelbar in Richtung Santiago de Compostela weist, schließt er die schon lange bestehende Lücke im Netz der europäischen Jakobswege. Die historischen Römerstraßen  im Mittelrheintal wurden im Mittelalter nachweislich von Pilgern nach Köln und Aachen sowie Jakobs- und Rompilgern genutzt.

Was gefiel Ihnen an diesem Weg so sehr, dass Sie ihn unbedingt auch für andere zugänglich machen wollten?

Wesentlicher Aspekt für die Markierung war natürlich die historische Belegbarkeit des Pilgerweges. Dafür gibt es zahlreiche Nachweise zum Beispiel durch Jakobusspuren in Bonn, Remagen, Bad Breisig, Andernach, Koblenz, Rhens, am Jakobsberg bei Boppard, St. Goar und Oberwesel. Auch auf der rechten  Rheinseite findet man in Linz oder Lahnstein Spuren des Jakobskultes. Köln war seit jeher durch die letzte Ruhestätte der Heiligen Drei Könige ein Sammelplatz für Pilger, die sich aus den südlichen Ländern vornehmlich am Rhein orientierten. Von Köln sowie von Bingen über Worms und Speyer  führten die Wege nach Westen und vereinigten sich in Frankreich mit den Pilgerströmen in Richtung Spanien. Glücklicherweise kommt dann auch noch die bezaubernde Landschaft des Mittelrheintales hinzu, die nicht ohne Grund zum Weltkulturerbe erhoben wurde.

Wenn man einen komplett neuen Weg markieren, möchte – wie geht man vor, was muss man bei der Planung beachten? Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen?

Es ist nicht damit getan, ein paar Klebeschilder entlang des Weges zu platzieren. In Deutschland ist bekanntlich alles reguliert und man benötigt eine Genehmigung. Das brachte für unser Kompetenzteam, bestehend aus dem Autorenteam des Pilgerführers, Franz Blaeser, Hans Ries, Michael Kaiser und mir, ab 2010 viel Arbeit.  Vor allem Franz Blaeser und unserem inzwischen leider verstorbenen Pilgerfreund Franz-Josef Höflich ist es durch unermüdlichen Einsatz bei Absprachen mit Behörden, Jakobusgesellschaften und Einzelpersonen zu verdanken, dass der Linksrheinische Jakobsweg realisiert werden konnte. Außerdem waren gesetzliche Vorgaben zum Bundes- und Landesnaturschutz sowie zur Verkehrssicherungspflicht zu beachten, in die man sich erst einmal einlesen muss. Beispielsweise hat derjenige, der eine Gefahrenquelle schafft oder unterhält, die Pflicht, Vorkehrungen zu treffen, um Schäden anderer zu verhindern.

Der erste Ansatz war eine Streckenführung entlang des Rheines – also analog der wahrscheinlich historischen Pilgerroute. Da machte uns aber die zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Koblenz nach zähen Verhandlungen einen Strich durch die Rechnung. So wurde nach einer Kompromisslösung gesucht und schließlich auch gefunden. 2011 ergab sich zufällig die Möglichkeit, den RheinBurgenWeg mit einigen wenigen Abweichungen mit zu nutzen, wofür wir sehr dankbar waren.

Im Juli 2012 begannen die Markierungsarbeiten mit Aufklebern, Aluminiumschildern und Sprühmarkierungen. Zusätzlich wurde das Projekt „Wegemarkierung und Artenschutz“ unseres Pilgerfreundes Karl-Heinz Jung in die Arbeiten einbezogen. Heute findet man zahleiche Vogelnistkästen, Fledermausquartiere und Insektenhotels mit Markierung entlang des Weges. Die Eröffnung des Linksrheinischen Jakobsweges fand im April 2013 statt – also über vier Jahre nach dem Startschuss des Projektes. Doch die Arbeit war noch nicht zu Ende. Es wurde eine Website erstellt, ein Flyer mit der Wegbeschreibung sowie insgesamt 22 Pilgerstempel entworfen. Ein weiteres Teilprojekt war der Pilgerführer, den wir dankenswerterweise im Conrad Stein Verlag veröffentlichen durften. Aktuellstes Bemühen ist das Errichten eines Pilgersteines in Koblenz – da stecken wir nun auch schon gut zwei Jahre in Verhandlungen.

Wenn Sie mal grob schätzen: Wie viele Stunden Arbeit stecken in diesem Weg?

Das kann ich gar nicht abschätzen. Mit dem Projekt Linksrheinischer Jakobsweg haben wir uns in den letzten sieben Jahren sicherlich einige Tausend Stunden beschäftigt.

Leider passiert es ja immer, dass Markierungen am Weg abmontiert werden oder einfach hinter Büschen oder Bäumen verschwinden. Wie wird der Weg gepflegt und wie viel Aufwand ist damit verbunden?

Das ist wirklich eine leidige Geschichte. Wir erhalten von Pilgern oftmals Hinweise auf fehlende Markierungen, die dann möglichst schnell wieder hergestellt werden. Problematisch sind unsere Aufkleber und Aluschilder, an denen sich nicht alle Zeitgenossen erfreuen können. Diese Markierungen werden gerne einfach zerstört oder als Souvenir mitgenommen, ohne darüber nachzudenken, dass ja vielleicht ein Sinn dahintersteckt. Sicherer sind da unsere Sprühmarkierungen, die man nicht so ohne Weiteres verschwinden lassen kann. Fehlende oder verblassende Markierungen werden auch durch unsere Wegepaten festgestellt und teilweise sofort ausgebessert. Wir können glücklicherweise auf Personen zurückgreifen, die sich bereit erklärt haben, einen bestimmten Abschnitt des Weges regelmäßig zu kontrollieren. So ist es einigermaßen gewährleistet, dass sich kein Pilger aufgrund fehlender Markierungen verlaufen kann. Außerdem kann unser Pilgerführer weiterhelfen. Darin wurde der Linksrheinische Jakobsweg so beschrieben, als wären keine Markierungen vorhanden.

Kann ich als Privatperson auch etwas tun, um bei der Instandhaltung und Pflege von diesem und anderen Wegen zu helfen?

Oh ja! Alle Verantwortlichen für markierte Pilgerwege freuen sich über ehrenamtliche Helfer, um unsere schönen Wege für die nachkommenden Pilgergenerationen zu erhalten und die Belastung für die Akteure ein wenig auf mehrere Schultern zu verteilen. Wer helfen möchte, wende sich am besten an die regionalen Jakobusgesellschaften, in deren Verantwortung die Jakobswege meistens liegen. Jegliche Unterstützung ist gerne gesehen. Wer sich in unserer Region engagieren möchte, findet auf den jeweiligen Websites die Ansprechpartner.

 

 

Linksrheinischer Jakobsweg

Alle Infos zum Weg und eine detaillierte Wegbeschreibung bietet unser Pilgerführer „Linksrheinischer Jakobsweg“.

Weitere Infos und Ansprechpartner findet ihr auf diesen Seiten: www.linksrheinischer-jakobsweg.de und www.eifel-camino.info.

 

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