Unterwegs … als Wanderreiseleiter

(Fotos: Wolfgang und Idhuna Barelds)

Wenn unsere Autoren Wolfgang und Idhuna Barelds nicht gerade einen neuen Wanderführer für uns schreiben, begleiten sie als Reiseleiter bei Wikinger Wandergruppen auf ihren Touren – oder erkunden als Scouts neue Ziele für Wanderreisen.  Zahlreiche bekannte und weniger bekannte Wandergebiete in ganz Europa haben sie so schon intensiv kennengelernt. Wir haben mit ihnen über Erfahrungen und Empfehlungen gesprochen.

Beim Thema Wanderreisen scheiden sich die Geister. Was sind eurer Meinung nach die Vor- und Nachteile einer Pauschalreise gegenüber einer selbst geplanten Tour?

Zusammengefasst die Vorteile einer Pauschalreise: Man muss sich um nichts kümmern, bekommt die schönsten Wanderungen einer Region präsentiert  und nächtigt in einem für Wanderer geeigneten Hotel. Gerade die Auswahl der Wanderungen, Hotels und das Organisieren der Transfers sind ja sonst oft zeitintensiv. Man hat immer eine Ansprechperson, was sich gerade bei unvorhergesehenen Situationen im Ausland (Verspätungen, Streik) als hilfreich erweist. Bei vergleichbaren Leistungen sind Pauschalreisen  manchmal auch günstiger, weil Veranstalter günstiger einkaufen können. Und bei entlegenen Regionen schlagen die Transferkosten weniger zu stark zu Buche als bei selbst organisierten Touren. Ein weiterer Vorteil wird manchen erst deutlich, wenn etwas Außergewöhnliches passiert: Bei unvorhergesehen Fällen wie Flugausfällen oder  -streiks haftet der Reiseveranstalter, was sonst – in materieller Hinsicht – PP wäre – persönliches Pech.

Nachteile von Pauschalreisen: Man ist weniger flexibel und bei organisierten Gruppenreisen muss man sich der Gruppe anpassen, in sozialer, aber auch „wandertechnischer“ Hinsicht (Wandertempo, Pausen). Auch Naturbeobachtungen sind mit Gruppenreisen nicht ideal; man hat zwar einen kompetenten Guide, der aber nicht viel hilft, wenn störungsempfindliche Tiere das Weite suchen … Wer absolute Ruhe beim Wandern sucht, für den ist eine Wandergruppe nicht unbedingt ideal.

Eine Mischform, die die Vorteile von pauschalen Gruppenreisen und selbst organisierten Reisen kombinieren, sind individuelle Pauschalreisen, etwa Wikinger Individuell: Man reist alleine oder zu zweit (oder in Kleingruppen) und hat statt eines Wanderführers ausführliche Reise-Unterlagen , anhand derer man selbst wandert. Transfers sind vorgebucht, genauso wie die Unterkünfte.

Aus unserer Erfahrung sehen wir, dass  manche Kunden sowohl organisiert als auch individuell wandern, abhängig vom Zeitbudget für die Vorbereitung einer Reise oder dem Reiseziel – hier spielen die Sprachkenntnisse eine wichtige Rolle.

Wenn man sich nun entschieden hat, eine Wanderreise zu machen: Worauf sollte man bei der Buchung achten?

Am wichtigsten ist wohl der angegebene Schwierigkeitsgrad. Jeder Wanderveranstalter verwendet hier seine eigenen Kriterien, bei Wikinger-Reisen wird die Schwierigkeit etwa mit 1 bis 3 Stiefeln angegeben. Bei der Bewertung spielen Faktoren wie Wanderstrecke (km), Höhenmeter und der technische Anspruch eine Rolle. Und Höhenmeter sind nicht gleich Höhenmeter. Ein Veranstalter misst die Höhenmeter in der Summe des Tages, der andere gibt diese nur für den Höhenunterschied innerhalb der Wanderung an. Der Unterschied kann immens sein, etwa bei Küstenwanderungen in England, wo es oft permanent rauf und runter geht, der Höhenunterschied aber gering ist. Im Zweifelsfall sollte man beim Veranstalter nachfragen, denn die Unter- oder Überforderung bei einer Wandergruppe kann den Wanderurlaub erheblich beeinträchtigen.

Und neben dem Wanderprogramm sollte man vor der Buchung auch ausführlich die Angaben zum Hotel und Standort studieren, um keine falschen Erwartungen aufkommen zu lassen. Es gibt auch Gäste bei Wanderreisen, die sich vor allem von Hotelbeschreibung leiten lassen. Eine Gästin erzählte, sie hätte die Wanderreise am Gardasee nur gebucht, weil das zu diesem Termin die einzige Reise gewesen sei, wo der Veranstalter ein Hotel mit Pool im Angebot hatte. Das Wanderangebot und die Region seien eher zweitrangig gewesen – diese Prioritätensetzung ist dann wohl eher die Ausnahme …

Ihr begleitet schon seit über 20 Jahren Wandergruppen als Reiseleiter. Was genau sind dabei eure Aufgaben und was macht euch daran besonders viel Spaß?

Wir sind für den  (möglichst reibungslosen) Ablauf der Wanderreisen verantwortlich, müssen uns um die Gäste kümmern und schauen, dass die Vertragspartner (Hotels, Agenturen, Transferfirmen) die vereinbarten Leistungen einhalten. Neben den mehr organisatorischen Aufgaben führen wir – zumindest in Europa – die Wanderungen auch selbst, was neben wanderspezifischem Wissen Menschenkenntnis und Kompetenz über die Region verlangt, damit wir unterwegs über Geografie, Geschichte, Biologie etc. erzählen können.

Wir haben mit immer anderen Gästen und neuen Situationen zu tun. Wichtig für unsere persönliche Motivation ist, dass wir nicht immer in demselben Gebiet sind und immer dieselben Touren gehen. Wir haben bestimmte Schwerpunkte, die sich jahreszeitlich gut ergänzen: Italien und Kroatien im Frühjahr und Herbst, Nord- und Mitteleuropa im Sommer und Skilanglauf in Norwegen im Winter. Angenehm ist es, dass man sich in manchen Gebieten – etwa auf Lipari – mittlerweile wie zu Hause fühlt. 

Mit Wandergruppen am Gardasee, in den Abruzzen und im Vinschgau 

Wahrscheinlich habt ihr ja nicht immer nur angenehme Gäste in der Gruppe – habt ihr einen Trick, um auch bei nervigen Reisenden ruhig zu bleiben?

Reiseleitung ist eine Dienstleistung. Wir haben dabei mit verschiedenen Menschen zu tun, die „unterschiedlich ticken“. Unzufrieden sind Gäste manchmal infolge von Unter- oder Überforderung bzw. bei abweichenden Erwartungen. Besonders dann ist es wichtig, verschiedene Angebote zu machen, wo die Gäste  auf ihre Kosten kommen können und sehen, dass man sich um sie bemüht. Dafür sind freie Tage gut geeignet, an denen wir Reiseleiter Angebote außerhalb des üblichen Programms machen, etwa geführte Wanderungen oder Vorschläge für Besichtigungen.

Wichtig ist es, jeden Gast so individuell wie möglich zu  behandeln und auf ihn einzugehen. Neben Empathie ist Geduld dabei oft eine wichtige Voraussetzung. Manchmal trägt Humor bzw. ein lockerer Spruch zur Entspannung bei, aber Vorsicht bei Zynismus – nicht jeder versteht Ironie!

Gibt es ein Ereignis, das euch von einer eurer Reisen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt viele kuriose bzw. ungewöhnliche Dinge, die vor Ort manchmal zwar Arbeit bedeuten, aber im Nachhinein zum Schmunzeln anregen. Ein ganzes Buch könnten wir inzwischen über Busfahrer schreiben, die sich etwa als Entertainer probieren, hoffnungslos mit Linienbus und Fahrgästen auf der Strecke liegen bleiben, das Ziel nicht kennen, den Gurt pro forma am Handbremshebel fixieren (wollen),  beim Linienverkehr kurz vor der Endhaltestelle im Vorbeifahren bei der Bar einen Kaffee ordern und diesen kurz darauf bei Rückfahrt diesen als „coffee to drive“ mitnehmen.

Einen unserer Hunde – den „Coverhund“ beim Regional-Wanderführer „Niederländische Küste“ – hat Idhuna bei einer Gruppenwanderung auf Lipari in der Wildnis als „Hundewaise“ aufgegabelt, nachdem ihr kein Insulaner auf der Suche nach den Eltern helfen konnte.

Und wenn ihr mal Zeit habt, privat zu verreisen: Würdet ihr selbst auch eine Wanderreise buchen oder seid ihr privat dann lieber nur zu zweit unterwegs?

Wenn man die Hälfte des Jahres mit Wandergruppen unterwegs ist, genießt man es auch mal, alleine zu wandern. Zumal Idhuna als Biologin die Ruhe für Naturbeobachtungen schätzt.

Vielen Dank für eure offenen Antworten! 

Weitere Infos über Wolfgang und Idhuna und ihre Wanderreisen findet ihr auf ihrer Website www.wibarelds.de. Ihren Tourentipps könnt ihr aber auch folgen, ohne eine Wanderreise buchen zu müssen – für uns haben die beiden nämlich schon zahlreiche Wanderführer geschrieben, z. B. diese:

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