Unterwegs … als Extremwanderer

80 km am Stück? Zwei Nächte durchwandern? Ein Klacks für unseren Autor Thorsten Hoyer. Er hat in knapp 50 Stunden die Alpen überquert und ist 215 km nonstop durch das isländische Hochland gewandert. Privat und beruflich reist und wandert er schon seit Langem in der ganzen Welt herum – und irgendwann kam noch das Extremwandern dazu.

Wann hast du das erste Mal gemerkt, dass du länger laufen kannst als viele andere – und dass es dir Spaß macht?

Mhh, eine gute Frage! So ganz genau kann ich mich da gar nicht erinnern. Das fing wohl bei meinen ausgedehnten Bergtouren in den Alpen an, die ich seinerzeit mit zwei Freunden unternahm. Kamen wir am Ende des Tages auf der Hütte an, waren wir zumeist ziemlich geschafft. Im Gegensatz zu den beiden verspürte ich aber immer noch große Lust weiter zu gehen. Manchmal war ich geradezu enttäuscht, schon am Ziel zu sein. Klar, die Beine waren dann natürlich auch schon ziemlich schwer, aber der Kopf wollte oft nicht in beengten Hütten weilen – der wollte einfach weiter.

Was reizt dich daran, so lange am Stück zu gehen?

Es ist das Vorbereiten auf eine geplante lange Tour. Das ist immer wieder ein Projekt, bei dem ich nicht weiß, wie es sich beim Unterwegssein entwickelt und schließlich endet. Letztlich ist es aber auch egal, denn es geht nicht um das Ansammeln von großen Zahlen. Ich stecke mir ein Ziel und versuche, es unter den dann gegebenen Bedingungen zu erreichen. Oder es vorzeitig zu beenden. Auch das kann ein Erfolg sein. Manchmal sogar ein entscheidend größerer!

Wie bereitest du dich auf eine Non-Stop-Wanderung vor?

Im Grunde mache ich da nicht sehr viel. Ich habe sehr viel Erfahrung und darauf vertraue ich. Die mentale Vorbereitung ist für mich entscheidend. Ich beschäftige mich immer wieder mit der Strecke. So oft, dass ich die topografischen Karten im Kopf abgespeichert habe und genau weiß, wann und wo für mich bedeutsame Wegpunkte kommen.   

Wenn es dann endlich losgeht: Welches ist der schwierigste Moment – der Anfang, die letzten Kilometer …?

Der schwierigste Moment ist tatsächlich der Anfang. Der Schlaf in der Nacht zuvor ist nicht sonderlich erholsam. Und meistens fühle ich mich unmittelbar bei Start gar nicht so richtig fit. Aber darum weiß ich ja inzwischen 🙂

Und wie motivierst du dich in diesen Situationen zum Weiterlaufen?

Eine Frage, die mir oft gestellt wird und auf die ich immer wieder nur eine banale Antwort geben kann: Ich bin noch nicht an meinem Ziel.

Gibt es ein Erlebnis oder einen Moment, der dir von deinen bisherigen Touren besonders in Erinnerung geblieben ist?

Oh, da gibt es so viele, von lustig bis ernst. Ein lustiges: Bei meiner Islanddurchquerung erschien mir in der zweiten, regnerisch-stürmischen Nacht ein Troll. Der war so deutlich zu sehen, dass ich irgendwann meine Hand nach ihm ausstreckte. Aber ist ja klar, Trolle lassen sich nicht anfassen. Und so war er dann wieder verschwunden. Wesentlich ernster ging es bei einer Tour in der Negev-Wüste zu. Mit einem Freund startete ich den Versuch, mit je 20 Liter Wasser auf einer speziellen Lastenkraxe von Eilat aus nonstop den Ramon-Krater im Zentrum der Wüste zu erreichen. Torben wurde unterwegs krank und die lang geplante Tour nahm einen völlig anderen Verlauf. Einen glücklichen Verlauf. In Kürze wird ein Film dazu fertig sein. Wer mag, kann hier schon mal schauen: www.negev-film.com     

Seit einiger Zeit liest man immer öfter von 24-Stunden-Wanderungen und Wandermarathons, morgen startet z. B. die ExtremExtrem-Wanderung (158 km) zwischen Willingen und dem Edersee. Hast du zum Schluss noch einen Tipp für Wanderer, die zum ersten Mal eine so lange Strecke gehen?

Wer sich an eine 158-km-Wanderung heranwagt, sollte zuvor unbedingt schon Erfahrungen gesammelt haben. Also schon mal 12 und 24 Stunden gewandert sein. Ganz wichtig: So etwas sollte nicht als Wettkampf verstanden werden. Entscheidend ist es, den eigenen Tritt zu finden und sich kontinuierlich zu bewegen. Es hilft zudem sehr, sich nicht die gesamte Distanz ständig vor Augen zu führen. Die Strecke in Etappen aufteilen und sich mit Erreichen eines nächsten Etappenzieles belohnen.

Vielen Dank für deine offenen Antworten!

Malerweg

Thorsten kann übrigens auch ganz gemütlich wandern – z. B. wenn er für uns für ein neues Buch recherchiert. In diesem Monat ist die Neuauflage seines Wanderführers „Malerweg“ erschienen. Außerdem hat er für uns noch diese Bücher geschrieben:

Einige Gedanken zu “Unterwegs … als Extremwanderer

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